Witterungsverlauf September 2023

Witterungsverlauf September 2023


Das Septemberwetter 2023 zieht in die Wetterstatistik mit Rekordwerten ein. In der Gesamtbilanz fiel der Monat viel zu warm, überaus sonnig aber auch etwas zu trocken aus. An der Station tobte er sich mit einem Hagelunwetter aus – unweit davon regnete es nur ein klein wenig.

Zum Vergleich und Einordnung: Im Mittel der zur Zeit gültigen, und 30 Jahre umfassenden, Vergleichsperiode (1991 – 2020) war der September an der Station 13,7 Grad warm, es regnete durchschnittlich 62,5 Liter/Quadratmeter, und die Sonne schien durchschnittlich 174,7 Stunden.

Der diesjährige September brachte es dagegen auf eine Durchschnittstemperatur von 17,5 Grad, also um 3,8 Grad zu warm, 51,0 Liter Niederschlag (82 %) und auf 275,6 Stunden Sonnenschein (158 %).

Mit diesen Werten wurde der September zum wärmsten und zum sonnenscheinreichsten in der zur Zeit gültigen Vergleichsperiode (1991 -2020) und seit Bestehen der Station (seit 1979). Zudem kann der September 17 Sommertage und darin enthalten 3 „Heiße Tage“ ausweisen, was bedeutet: dass mehr als die Hälfte der 30 Septembertage „Sommertage“ waren, an denen die Tageshöchsttemperatur mindestens auf 25 Grad Celsius anstieg und auf 3 Tage mit mindestens 30 Grad.
Auch das ist ein neuer Rekord an der Station, bestätigt durch den Deutsche Wetterdienst. Auch der DWD vermeldete bundesweit Rekordwerte an „Sommer-„ und „Heißen Tagen“.

Der September von diesem Jahr startete schon mit hochsommerlichen Temperaturen. Im ersten Monatsdrittel schien die Sonne ungetrübt 117 Stunden, was einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von täglich< fast 12 Stunden entspricht. Die Sonne erwärmte den Erdboden und der wiederum die darüber aufliegende Luft. Die Erwärmung in dieser Zeit war so stark, dass dann in 2 Metern Höhe im Schatten und gut umlüftet, in den ersten 10 Tagen die Thermometer 8 mal 25 und mehr Grad anzeigten. Am 10. September wurde dann auch der heißeste Tag im Monat mit 30,6 Grad registriert.Auch an den zwei nachfolgenden Tagen wurde die 30-Grad-Marke überschritten. Bis zum 12. des Monats hatte es bis dahin keinen Tropfen geregnet. Aus der schwülwarmen Luft entwickelten sich aber an diesem Tag zwei kurz aufeinander folgende heftige Gewitter – welche mit Kern auch über die Station und weiter entlang des Albtraufs zogen. Im Zentrum eines Gewitters kann sich auch Hagel bilden, und zwar immer dann, wenn dort kräftige Aufwinde fallende Eiskristalle, an die sich Wasser anlagern, wieder in eisige Höhen tragen. Dort lagert sich weiteres Wasser an - und im Wechselspiel von Fallen und Zurückschleudern heftet sich am bereits vereisten Regentropfen weiteres Wasser als Eis an – der Wassertropfen ist zu einem Hagelkorn geworden.

Dieses Auf und Ab im Zentrum der Gewitterwolke geht solange, bis das Hagelkorn so schwer geworden ist, dass die Gravitationskraft (Erdanziehungskraft) gegenüber der Auftriebskraft, die das Hagelkorn durch die starken Aufwinde erfährt, überwiegt. Dann fällt das Hagelkorn zu Boden.

An diesem 12. September waren die Aufwinde so stark, dass sich Hagelkörner von mehr als 3 cm Durchmesser ausbildeten und viele Autos zerbeulten und Glasdächer zerschlugen.

Wo Hagel fällt oder nur große Tropfen ankommen, hat eine scharfe Grenze. Links einer Straße kann es alles zusammen schlagen, auf der rechten Seite aber nur kräftig regnen.

So war es auch bei diesem Hagelunwetter. Die Station in Balingen-Heselwangen traf es voll, und an Hagel und Starkregen fielen 24,4 Liter Wasser pro Quadratmeter, An der nur in 5 km Luftlinie entfernten Station Balingen-Bronnhaupten fiel kein Hagel, und an Niederschlag kamen auch nur 7,4 Liter/qm herunter. Hechingen meldete ebenfalls nur 2,3 l/qm an diesem Tag.

Das Unwetter am 12. September läutete kurzfristig eine etwas kühlere Witterung mit mehreren Regentagen ein. Die endete wiederum am 23. September, dem kalendarischen Herbstanfang. An diesem Tag steht die Sonne zur Mittagszeit senkrecht über dem Äquator – bei uns fallen die Sonnenstrahlen zur Mittagszeit nur noch in einem Winkel von rund 42 Grad ein und Tag und Nacht sind gleich lang. Doch der Sommer wollte noch kein Ende haben und startete nochmals durch. Die kräftigen Hochdruckgebiete tankten über Spanen erneut warme Luft und führten sie auch zu uns. Der sogenannte „Altweibersommer“ hatte begonnen und bescherte uns drei weitere Sommertage. Hierbei handelt sich um eine beständige frühherbstliche Hochdrucklage über Mitteleuropa, die besonders häufig Mitte September bis Anfang Oktober auftritt und mit sommerlichen Temperaturwerten am Tag und kühlen Nächten (starke Taubildung, oft Strahlungsnebel) einhergeht. Der Name"Altweibersommer" geht übrigens auf das altdeutsche Wort "weiben" zurück, was weben bedeutet.

Man glaubte, dass die vielen Spinnfäden, welche durch die Taubildung bei diesem Wetter gut zu sehen sind, von den Schicksalsgöttingen (z,B. Nornen) als Lebensfäden gesponnen wurden.

Noch ein paar weitere Zahlen für die Statistik: Die Monatsdurchschnittstemperatur des Septembers 2023 betrug plus 17,5 Grad. Vergangenes Jahr waren es plus 13,5 Grad, und im Durchschnitt der Vergleichsperiode 1991 - 2020 war es bei uns im September plus 13,7 Grad warm/kalt. Einen Frosttag gab es noch nicht im diesjährigen September, andererseits gab es den Rekordwert mit 17 „Sommertagen“ mit 25 und mehr Grad, darin auch enthalten 3 sogenannte „Heiße Tage“ mit 30 und mehr Grad. Regentage, mit einem oder mehr als einem Liter pro Quadratmeter wurden heuer nur 6 gezählt, und in der Summe kamen 51,0 Liter pro Quadratmeter zusammen. Im Jahr 2022 regnete es im September 90,8 Liter, und im Durchschnitt der Vergleichsperiode sind es 62,5 Liter. Nebel wurde an der Station noch keiner beobachtet, dafür zwei nennenswerte Gewitter, davon eines mit Hagel und Sturmböen. Gewindet, mit Wind von mindestens der Stärke 6 (39 und mehr km/h) hat es an 4 Tagen. Die Sonne schien an der Beobachtungsstation in diesem Jahr 275,6 Stunden. Im Jahr 2022 waren es 177,1 Stunden, und seit 1991 bis einschließlich 2020 wurden durchschnittlich im September 174,7 Sonnenscheinstunden registriert.

Alle angeführten Werte wurden in Balingen-Heselwangen, 573 Meter über dem Meer registriert.

Karl-Heinz Jetter